Der Aussichtsturm Taubenberg auf den Hinsbecker Höhen

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Entdeckungstour im Paradies

  Der Aussichtsturm Taubenberg auf den Hinsbecker Höhen

Behutsam schweift sein Blick von den Hinsbecker Höhen über ein gewaltiges Spektrum an Tier- und Pflanzenvielfalt – Heinz Koch lässt die Farben und Klänge der Natur am liebsten von oben auf sich wirken, um innezuhalten und abzutauchen: „Mein Lieblingsplatz am Niederrhein ist der Aussichtsturm Taubenberg auf den Hinsbecker Höhen. Mit seinen 29 Metern befindet sich der Turm inmitten des Waldgebietes der Hinsbecker Heide. Von der obersten Plattform, 110 Meter über dem Meeresspiegel, hat man einen atemberaubenden Blick auf die Krickenbecker Seen, die grünen Landstriche Nettetals und die benachbarten Niederlande.“ Er riecht das Moos, hört die Vögel zwitschern und lässt dabei die Sonnenstrahlen, die durch die Blätter der Bäume scheinen, sein Gesicht wärmen.

Ein Gefühl von Urlaub. Und das vor der eigenen Haustür. Speziell seinen Enkel aus der Großstadt möchte er an diese erlebbare Natur heranführen und freut sich auf gemeinsame Wanderungen entlang der Brutstätten an der Nette und um die Krickenbecker Seen bis zum Aussichtsturm Taubenberg. „Was ist denn das für ein lustiger Vogel?“ Auf Fragen wie diese hat der 70-Jährige direkt die richtige Antwort für seinen Enkel: die Lachmöwe in diesem Fall. Eine traut sich nah an die beiden heran. Mit ihrem Fernglas beobachten Opa und Enkel den Rest des Schwarms, der auf dem Wasser auf dem Hinsbecker Bruch schaukelt und einen weißen Teppich bildet. Bei jeder Tour entdeckt der junge Großstädter eine neue Tier- oder Pflanzenart.

Schließlich hat er den besten Lehrer bei sich: Heinz Koch kennt den Niederrhein wie seine eigene Westentasche: Seit seiner Geburt lebt er in Nettetal-Hinsbeck im Kreis Viersen und ist als „Hänsbäcker Jüüt“ fest mit seiner Heimat verwurzelt. „Hänsbäcker Jüüt“ ist der landläufige Beiname der Hinsbecker, der aus dem Flachsbau stammt. „Jüüt“ oder „Güt“ bedeutet im Raum Geldern und Hinsbeck „Spaßmacher, Narr“, wie geschichtliche Quellen darlegen. Dass ihm seine Heimat am Herzen liegt, verdeutlicht auch seine Funktion als Beisitzer im Verkehrs- und Verschönerungsverein Hinsbeck.

Der Hänsbäcker Jüüt behält den Überblick

„In diesem wunderschönen Gebiet der Hinsbecker Heide gehe ich gerne mit meinem Enkel auf Entdeckungsreise, um Vogelarten wie Zwergtaucher, Blässhühner, Haubentaucher oder Teichrohrsänger zu beobachten. Die Krickenbecker Seen liegen auf dem Gebiet der Nette; den ganzen Fluss entlang befinden sich Brutstätten. Speziell zur Brutzeit im Mai und Juni werden hier Wanderungen entlang der Stätten von der Biologischen Station Krickenbecker Seen angeboten. Die Vögel bauen ihre Nester auf der Nette und füttern dort ihre Jungen, ganz unbeeindruckt von Menschen um sie herum.“

Gäste, die lieber komplett auf den Turmaufstieg verzichten und am Boden bleiben möchten, kommen somit auch auf ihre Kosten. Die Wanderwege durch die Heide und um die Seen sind flach und zum Teil barrierefrei, sodass sie sich auch für Rollstuhlfahrer eignen. Zwischen duftenden Kiefernwäldern, Heideflächen und Mooren lässt sich die Landschaft hautnah erleben und genießen. Am Ende jeder Wanderung zieht es Heinz Koch mit seinem Enkel hoch hinaus, und sie wechseln die Perspektive: „Dann überblicken wir vom höchsten Punkt des Aussichtsturms all die wunderschönen Details der Natur, die wir unterwegs gesehen haben.“ Saftig grüne Blätter, gepaart mit bunter Blütenpracht im Frühjahr oder grün schimmerndes Moos mit farbigem Laub im Herbst behält der Hänsbäcker Jüüt von oben im Überblick: Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

Weite Sicht

An klaren Tagen kann die Fernsicht bis nach Köln (Braunkohle-Tagebau Garzweiler) und Roermond in den Niederlanden reichen. „Laute und menschenüberfüllte Metropolen konturenhaft in der Ferne vom Standpunkt schönster Natur und angenehmer Ruhe zu beobachten ist für mich ein atemberaubendes Erlebnis“, schwärmt der Hinsbecker. Von ihm eigens erstellte Hinweistafeln auf dem Turm benennen Orte, Kirchen und bedeutende Gebäude, die in allen vier Himmelsrichtungen erkennbar sind. In dem waschechten Niederrheiner weckt das Gebiet rund um die Hinsbecker Heide ein Gefühl von Heimat. „Wenn ich schon von weitem den Turm sehe, dann weiß ich: Das ist mein Zuhause.“

Geschichte des Turms

2005 wurde der 1970 erbaute Holzturm renoviert und um eine Stahlkonstruktion erhöht. Der Vorgänger wurde als Feuerwachturm genutzt, jedoch sorgten umliegend wachsende Bäume dafür, dass die Aussicht für eine Brandüberwachung nicht mehr ausreichend war. Brandstiftungen und Vandalismus waren der Grund für die Sperrung des Turms über einige Jahre. Mit der Unterstützung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hinsbeck wurde er schließlich in doppelter Höhe wieder aufgebaut. Der Turm ist jederzeit zugänglich. Parkplätze befinden sich gegenüber der Zirkusjugendherberge in Hinsbeck.

„Die oberste Plattform ist nicht für Personen mit Höhenangst geeignet, jedoch bietet der Turm Haltepunkte auf unterschiedlichen Ebenen und ist somit ein Ort für jedermann, egal ob Jung oder Alt“, versichert Heinz Koch. Das verdeutlicht er mit seinem Enkel am besten: „Wir zwei machen uns mit Fernglas und Butterbrot im Rucksack auf den Weg zum Aussichtsturm – dann gibt es nur uns zwei und die Natur. Selbstverständlich geht es bis ganz oben“, schmunzelt er. Schließlich weiß er, dass ihm die dortige Aussicht den besten Blick auf das Naturschutzgebiet Krickenbecker Seen verspricht. „Hier wurde 2009 von der Biologischen Station Krickenbecker Seen im Zuge des ‚Rohrdommel-Projektes‘ ein ehemaliges Niedermoorgebiet westlich der Nette renaturiert.“ Der Hintergrund ist, so schildert Heinz Koch, dass die Rohrdommel in Nordrhein-Westfalen als Brutvogel ausgestorben war. Diesen Röhrichtbewohnern sollte wieder ein geeigneter Lebensraum an den Krickenbecker Seen geboten werden. Zahlreiche Vogelarten werden nun von dem neu geschaffenen Lebensraum angezogen, der Brutbestand hat stark zugenommen.

Wer also fast ausgestorbene Vogelarten beim Brüten sehen möchte, bekommt hiermit einen wirklichen Geheimtipp. Heinz Koch empfiehlt das Hinsbecker Gebiet jedem, der Ruhe genießen möchte und eine Möglichkeit zur Entschleunigung sucht. „Es ist zudem ein Paradies, um auf Entdeckungstour in der Tier- und Pflanzenwelt zu gehen! Und der Aussichtsturm präsentiert die volle Pracht des Spektrums auf einen Blick.“

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